CBD vs. THC: Der Einsteiger-Guide für medizinisches Cannabis
Dr. med. Lena Mertens
Fachärztin für Allgemeinmedizin · 20. Mai 2026
Medizinisch geprüft
Das Wichtigste in Kürze
CBD und THC sind die beiden wichtigsten Cannabinoide – aber sie wirken völlig unterschiedlich. Dieser Guide erklärt verständlich, was sie unterscheidet, wann welches sinnvoll ist und worauf du beim Cannabis-Rezept achten solltest.
Medizinisches Cannabis besteht aus dutzenden Wirkstoffen, doch zwei davon stehen im Mittelpunkt jeder Therapie: CBD (Cannabidiol) und THC (Tetrahydrocannabinol). Wer ein Cannabis-Rezept in Erwägung zieht, sollte den Unterschied verstehen – denn er entscheidet über Wirkung, Nebenwirkungen und Alltagstauglichkeit.
Was ist THC?
THC ist das psychoaktive Cannabinoid – es ist verantwortlich für den klassischen Rausch. In der Medizin wird es gezielt eingesetzt, etwa bei:
Chronischen Schmerzen, die auf klassische Schmerzmittel nicht ansprechen
Spastiken bei Multipler Sklerose
Appetitlosigkeit und Übelkeit, z. B. während einer Chemotherapie
Schlafstörungen mit nächtlichem Schmerz
THC bindet direkt an die CB1-Rezeptoren im zentralen Nervensystem. Das erklärt sowohl die schmerzlindernde Wirkung als auch die psychoaktiven Effekte.
„THC ist kein Freizeit-Stigma, sondern ein hochwirksames Werkzeug – wenn es ärztlich begleitet und richtig dosiert wird.“
Dr. med. Lena Mertens
Schmerztherapeutin
Was ist CBD?
CBD wirkt nicht berauschend. Es moduliert das Endocannabinoid-System indirekt und hat vor allem entzündungshemmende, angstlösende und krampflösende Eigenschaften. Typische Einsatzgebiete:
Angststörungen und innere Unruhe
Entzündliche Erkrankungen
Epilepsie (hier ist CBD besonders gut untersucht)
Begleittherapie, um die Nebenwirkungen von THC abzumildern
THC und CBD im direkten Vergleich
Eigenschaft
THC
CBD
Psychoaktiv
Ja
Nein
Schmerzlinderung
Stark
Moderat
Angstlösend
Dosisabhängig
Ja
Entzündungshemmend
Moderat
Stark
Fahrtüchtigkeit
Eingeschränkt
Unbeeinflusst
Der entscheidende Punkt: Es ist selten ein Entweder-oder. Viele Therapien nutzen ein Verhältnis beider Cannabinoide. Ein hoher CBD-Anteil kann die psychoaktive Wirkung von THC abpuffern – der sogenannte Entourage-Effekt.
Welche Sorten passen zu welchem Profil?
Je nach Wirkstoffverhältnis eignen sich unterschiedliche Sorten. Ein paar Beispiele aus unserer Datenbank:
1Lass dich ärztlich beraten, welches CBD/THC-Verhältnis zu deiner Indikation passt.
2Starte niedrig dosiert und steigere langsam ("start low, go slow").
3Dokumentiere Wirkung und Nebenwirkungen in einem Therapietagebuch.
4Beachte die Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit – besonders bei THC.
Fazit
CBD und THC sind keine Gegner, sondern Werkzeuge mit unterschiedlichen Stärken. THC ist das stärkere Schmerz- und Spastikmittel, CBD der entzündungshemmende, nicht berauschende Ausgleich. Die richtige Kombination findet sich am besten gemeinsam mit einer erfahrenen Ärztin oder einem erfahrenen Arzt.
Lena Mertens ist Fachärztin für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Schmerztherapie und Cannabinoid-Medizin. Sie hat über 600 Patient:innen in ihrer Hamburger Praxis auf medizinisches Cannabis eingestellt und ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin. Ihre Beiträge bei Hotbox Club werden ausschließlich auf Basis aktueller Studienlage und klinischer Praxis verfasst.